Dies ist die erste Alpentour, für die ich nicht wie üblich mit PKW und Anhänger, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist bin. Und auch nicht aus dem Weserbergland, sondern aus den Dolomiten. Der Grund dafür war ein undichtes Schwimmernadelventil, weshalb meine YB8 auf dem ersten Teil der Tour im italienischen Dörfchen Stern im Gadertal den Dienst quittierte (hier nachzulesen: 2. Alpentour mir der YB8 E „Reise-Bimota“).
So zahlt es sich aus, das ich für die Tour mit zwei Motorrädern angereist bin. Zwischen dem Ausfall in den Dolomiten und der Fortsetzung im Allgäu liegt lediglich eine Tagesreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wobei, das ist schon recht lang für knapp über 300 Straßenkilometer. Aber abwechslungsreich: die erste Stunde mit dem Bus zum Bahnhof, mit dem Zug zum Brenner, umsteigen in den Bus wegen Gleisbauarbeiten, wieder in den Zug nach Innsbruck, umsteigen usw..


Am folgenden Morgen lade ich meine DB3 vom Anhänger, verzurre die Gepäcktasche auf dem Soziussitz und starte Richtung Reschenpass. Angesichts der Wetteraussichten, die für die nächsten Tage schwere Gewitter und einen anschließenden Kälteeinbruch vorhersagen, wird es voraussichtlich auf einen nur zweitägigen Kurztrip hinauslaufen.
Am Nachmittag erreiche ich die Ostseite des Stilfser Jochs, das ich letztes Jahr wegen des schlechten Wetters nicht fahren konnte. Nach dem Col d’Isere ist er mit 2.757 Metern der zweithöchste asphaltierte Pass der Alpen und bietet auf rund 50 Kilometern Strecke 87 Kehren. Die Kehren sind zwar teilweise extrem eng und flüssiges Kurven kaum möglich, aber man muss dieses Meisterstück des Straßenbaus einfach gefahren sein.

Auf der anderen Seite in Bormio plane ich den Rest des Tages. Es ist noch genug Zeit für den 2.618 Meter hohen Gavia Pass, der von Bormio ins Val die Sole führt. An dessen Südseite, in Ponte die Legno, buche ich mir ein Hotel. Am Abend sehe ich mir die vielen Möglichkeiten für den Rückweg ins Allgäu an und entscheide mich für eine Route, die über acht abwechslungsreiche Pässe führt und somit jede Menge Kurvenspaß verspricht.

Vom Val die Sole geht es über den 1.852 Meter hohen Passo Mortirolo ins Addatal. Anschließend über den Passo di Fosscagno (2.291 m) und den Passo d’Eira (2.208 m) weiter durch die italienischen Alpen nach Livigno und von dort zur Schweizer Grenze am Forcola die Livigno (2.315 m). In der Schweiz warten weitere vier Pässe mit perfektem Straßenbelag.


Vom Bernina Pass (2.323 m) geht es runter nach St. Moritz und dann gleich wieder hoch über den landschaftlich reizvollen Julierpass (2.284 m). Von Albula sind es auf direktem Weg nur knapp 150 km zurück ins Allgäu, aber ich habe bis zu den angekündigten Unwettern noch ausreichend Zeit für den herrlichen Albulapass (2.315 m), der gut zehn Kilometer nördlich von St. Moritz zurück ins Inntal führt.

Nach 26 Kilometern entlang des Inn zweigt in Susch die Straße über den Flüelapass (2.383 m) nach Davos ab. Von dort sind es dann noch rund 40 Kilometer bis hinunter nach Landquart im Rheintal.
Am Rhein entlang geht es weiter durch Liechtenstein, weiter nach Feldkirch in Österreich und dann zurück ins Allgäu …

Rund 300 Kilometer und acht traumhafte Alpenpässe liegen hinter mir und noch gut 100 km zurück ins Allgäu vor mir. Hinter Davos, auf dem Weg runter ins Rheintal, sehe ich, dass die Kontrollleuchten im Cockpit immer schwächer werden. Kein gutes Zeichen! Kurze Zeit später stirbt das Motorrad ab.
Das kann nicht sein! Schon wieder eine Panne!
Mit letztem Schwung rolle ich von der Bundesstraße in ein Gewerbegebiet und komme kurz vor einer Kfz-Werkstatt zum Stehen. Der Inhaber nimmt sich meiner sofort an, lässt mich meine DB3 in die Halle schieben und kommt mit einem tragbaren Starthilfe Power-Pack zur Hilfe. Das Mopped springt sofort an. Allerdings zeigt das angeschlossenen Multimeter, dass die Batterie nicht geladen wird.

Ich leihe mir einen Seitenschneider, trenne einige Kabelbinder, um auch die Kabel unter dem Heckrahmen auf eventuelle Beschädigungen zu prüfen. Fehlanzeige. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Spannungsregler defekt. Der Werkstattchef weiß auch zum Thema Ersatzteil rat. Gerade einmal 12 Kilometer entfernt gibt es einen DUCATI Vertragshändler. Schnell ist die Telefonnummer rausgesucht. Aber leider ist kein passender Regler auf Lager. Eine Bestellung würde bestenfalls Anfang nächster Woche eintreffen.
Das hilft in meiner Situation nicht wirklich weiter. Ich beschließe, mit dem Power-Pack die Batterie zu laden und dann zu schauen, wie weit ich komme. Leider finde ich auf dem Gerät keine Angabe zum Ladestrom und kann daher auch nicht überschlagen, wie schnell die Batterien geladen werden. Also ausprobieren. Um den Strom für den Startvorgang zu sparen, starte ich mit Power-Pack, klemme es erst dann ab, montiere die Sitzbank und verzurre das Gepäck. Mit Dank an meinen Helfer starte ich die Versuchsfahrt – ohne Licht – Richtung Allgäu.
Nach exakt 36 Kilometern ist die Batterie trotz ausgeschaltetem Licht wieder leer und der Motor stirbt erneut ab. Mit gezogener Kupplung rolle ich auf eine Tankstelle in Triesen, Liechtenstein. Hinter der Tankstelle ist eine Werkstatt und das nächste Power-Pack. Wenn alles gut läuft, sollte das für die nächsten gut 30 Kilometer reichen. Allgäu, ich komme. Beim Ladevorgang denke ich über weitere Möglichkeiten zur Reduzierung des Stromverbrauchs nach. Eine Option ist das Bremslicht, das immerhin 21 Watt zieht. Wenn ich das Kabel vom hinteren Bremslichtschalter abziehe, kann ich, sofern gefahrlos möglich, ohne Stromverbrauch bremsen. Bei einer stärkeren Bremsung ist ohnehin die vordere Bremse gefragt und dann sieht der nachfolgende Verkehr das auch.
Doch jetzt ist Liechtensteiner Feierabendverkehr und ich komme kaum vorwärts. Im dichten stop-and-go Verkehr und mit vielen Ampeln komme ich nur rund 20 Kilometer bis zum nächsten Stromausfall. Diesmal rolle ich 200 m vor dem Liechtensteiner Audi Händler aus. Auch hier ist die Hilfsbereitschaft für einen gestrandeten Motorradfahrer groß. Es folgt der inzwischen zur Routine gewordene Vorgang.


Nach 20 Minuten Ladezeit geht es weiter. Durch den Stadtverkehr in Vaduz und Dornbirn schlängele ich mich rechts und links durch den zähfließenden Verkehr. So komme ich immerhin 30 Kilometer bis Götzis, wo ich mitten im Ort liegenbleibe.
Mittlerweile ist es 18:30 Uhr und alle Werkstätten sind geschlossen. Also nach der nächsten Tankstelle auf Google Maps suchen. Am Ortsausgang, knapp 500 m entfernt gibt es eine BP. Jacke aus und hinten auf das Gepäck gelegt, Helm an den Lenker und das Motorrad bei über 30° und, wegen des aufziehenden Gewitters, hoher Luftfeuchtigkeit schieben. Glücklicherweise geht es nach ca. 200 m leicht bergab. Ich kann aufsitzen und runter bis zur Tankstelle rollen. Als ich das Motorrad abstelle, hält eine Frau in einem Golf neben mir und sagt, dass ich meine Jacke verloren habe. Sie liegt ca. 150 m entfernt auf der Straße!
Es soll ja auch nicht langweilig werden. Ich laufe den Berg wieder hoch und sehe, dass von oben kommend ein silberner VW T5 vor meiner am Straßenrand liegenden Jacke hält. Der Fahrer steigt aus und hebt meine Jacke auf. Bei ihm ankommen fragt er, was passiert ist. Wieder treffe ich auf einen hilfsbereiten Mitmenschen, der sich sofort bereit erklärt, ein Überbrückungskabel von zu Hause zu holen. „Motorradfahrer helfen sich halt“, ist sein Kommentar, als er ins Auto steigt, um die Kabel zu holen.
Ich gehe zurück zur Tankstelle, kaufe mir ein Eis, schnalle das Gepäck ab und wartete auf seine Rückkehr. Um kurz vor 19 Uhr ist Patrick zurück, parkt seinen T5 vor meiner Bimota und steigt mit dem Überbrückungskabel in der Hand aus. Ich nehme die Sitzbank runter, Patrick öffnet die Motorhaube und wir verbinden die havarierte DB3 mit der Batterie vom Bus. Ein neuer Ladevorgang. Mit etwas Glück der Letzte, zumindest der Vorletzte, denn zurück sind es noch 41 Kilometer.
Da lange nichts passiert ist, zieht von Südwesten ein heftiges Gewitter auf und es wird ziemlich dunkel. Sonnenuntergang ist zwar erst um kurz nach 20 Uhr, aber bei den Sichtverhältnissen ist eine Weiterfahrt ohne Licht ziemlich riskant. Ich sage Patrick, dass ich meine Fahrt in Ladeetappen angesichts des Wetters wohl besser abbreche.
Die Reaktion von Patrick ist der Hammer. Er fragt, ob ich mit der aktuellen Batterieladung noch fünf Kilometer komme und bietet mir an, die DB3 in seiner Halle in Hohenems unterzustellen. Damit nicht genug, er würde mich dann anschließend zurück ins Allgäu fahren. Was für ein Angebot. Ich wäre trotz aller Widerstände an diesem Abend noch zurück und könnte am nächsten Morgen mit dem Anhänger mein Motorrad abholen.
Mit einsetzendem Regen folge ich ohne Licht und wegen der warmen, schwülen Gewitterluft nur im T-Shirt Patricks T5 bis zu seiner Halle in Hohenems. Mit brillantem Timing setzt der Starkregen in dem Moment ein, als ich die DB3 durch das Hallentor fahre. Vor der Fahrt ins Allgäu sehen wir uns noch die zahlreichen Motorräder und Autos, die Patrick und seine Kumpels in der großen Halle stehen haben, an und fachsimpeln unter anderem über seine neue Ducati Streetfighter V4 SP mit 208 PS.
Am nächsten Tag läuft dann wieder alles glatt. Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen, fahre mit dem Anhänger zurück nach Hohenems, verlade die DB3 und mache mich auf den Heimweg. Zu Hause bestelle ich einen neuen Laderegler. Der Einbau ist schnell erledigt, aber es löst leider das Problem nicht. Nach wie vor keine Ladespannung. Also doch der Generator? Ich messe die Wechselspannung zwischen den Anschlüssen am Ausgang – nichts! Letzter Versuch vor dem Ausbau der Lichtmaschine sind die Kabel, an die man nur nach Ausbau des Tanks kommt, was bei der DB3 einiges an Arbeit bedeutet. Armaturen ab, Lenker ab, Kraftstoffschläuche usw..

Und tatsächlich, die Ursache für die Panne ist ein verschmortes Kabel vom Generator zum Spannungsregler, das auf der Innenseite des Rahmens nur wenige Zentimeter neben dem hinteren Zylinder und dem Krümmer verläuft. Vermutlich haben sowohl das Alter als auch die acht Pässe dem Material den Rest gegeben. Dass die werksseitige Verlegung nicht ideal ist, ist aber die eigentliche Ursache. Daher mein Tipp für alle, die auch mit eine DB3 8 Pässe am Stück fahren wollen: verlegt vorher die Kabel. Wie? Könnt ihr hier nachlesen.


